Chor beschwört alte Zeiten (Schwäbische Zeitung)

26.07.2007

Der Gesangverein „Liederkranz“ hat mit seinem bewährten Leiter Walter Gropper ein abwechslungsreiches Programm präsentiert und musikalische Geschichten aus alter Zeit zu neuem Leben erweckt. Das Publikum im vollbesetzten Bibliotheksaal ließ sich nur zu gern von den Märchen und Sagen begeistern.

Max Hadwiger war ein mit Gehrock und Zylinder stilecht gewandeter Märchenerzähler, der abwechsl ungsreich durch das Programm führte. Als kompetente Begleiterin am Flügel erwies sich die junge Pianistin Juliane Durach, die mit den unterschiedlichsten Anforderungen vom zarten Abendlied bis zum großen Opernorchester bestens zurecht kam.

Der Chor war gut vorbereitet und hatte sichtlich Freude an dieser märchenhaften Musik. Zuerst ging es um den hohen Adel in anspruchsvollen Chorsätzen: die zwei Königskinder, die nicht zueinander kommen konnten, Schumanns „König von Thule“ und die unheimliche Stimmung in Distlers „Die traurige Krönung“. Als kraftvoller Männerchor erklang die Kyffhäuser-Sage von Friedrich Silcher und als heiter beschwingter Gegensatz die Geschichte von „Graf Eberstein“ mit der den Text so köstlich illustrierenden Klavierbegleitung von Karl Loewe.

Jetzt kam der große Auftritt des Unterstufenchors des Gymnasiums Ochsenhausen mit einer Szene aus Humperndincks „Hänsel und Gretel“. In einem feenhaft grün schimmernden Gewand erschien Elvira Hasanagić und sang den am Boden kauernden Kindern das Lied vom kleinen Sandmann vor, die daraufhin den „Abendsegen“ anstimmten und anrührend von den 14 Engeln sangen. Dazu passte gut die „Seligpreisung“ aus der Oper „Der Evangelimann“ von Wilhelm Kienzl.

Nach der Pause erklang das muntere Lied vom trinkfesten Zwerg Perkeo. Dem vor 100 Jahren gestorbenen Edvard Grieg zu Ehren sang der Chor die stimmungsvolle Szene von Aases Tod aus „Peer Gynt“, dem ein andächtiger Choral folgte und Solveigs Wiegenlied, mit innigem Piano und strahlenden Höhen, gesungen von Elvira Hasanagic. Welch eine Stimme.

Das letzte Kapitel handelte vom Wasser und seinen sagenhaften Bewohnern. Nach dem „Wilden Wassermann“ kam die „Loreley“ zu besonderen Ehren mit einem interessanten Arrangement von Chorsatz, Sprechtext („Du bist die Hexe Loreley“) zu leiser Klavierbegleitung und Männerquartett zum krönenden Abschluss. Und dann Dvoraks „Lied an den Mond“ aus „Rusalka“, ein Fest für die slowenische Sopranistin, die all ihre Empfindungen ausdrucksvoll hineinlegte.

Mit schwelgischem Wohlklang, dem „Schwanengesang“ aus Lortzings „Undine“, wurde dies märchenhafte Konzert adäquat beendet. Klaus Brecht mit ungewohnt hohen romantischen Klängen gesellte sich zum Sopran, und der Chor stimmte ein. Für den begeisterten Beifall bedankte sich die Sängerin sehr passend mit dem Lied vom Waldmägdelein aus Lehars „Lustiger Witwe“, und der Chor verabschiedete sich mit „Guten Abend, gute Nacht“. Jutta Ronellenfitsch