Liederkranz auf Chorfahrt nach Sachsen
Mittwoch, den 05. Oktober 2016

Das verlängerte Wochenende mit dem Tag der deutschen Einheit nutzte der Liederkranz Ochsenhausen e.V. für eine Chorreise nach Sachsen. Anlass war die Einladung des Superintendenten der Domkirche St. Petri in Bautzen, Werner Waltsgott, den Sonntagsgottesdienst am 2. Oktober musikalisch zu gestalten.

Die Frauenkirche in Dresden war das erste Ziel der Sängerinnen und Sänger aus Ochsenhausen. Bei einer Orgelandacht mit Kirchenführung hörten sie die Geschichte der Kirche, die am Ende des Zweiten Weltkriegs völlig zerstört wurde und nach ihrem Wiederaufbau von 1994 bis 2005 zum Symbol des Friedens zwischen den Völkern geworden ist. Mehr zur Stadtgeschichte Dresdens erzählte der ehemalige Dresdener Pfarrer Manfred Bauer bei einer anschließenden Führung durch die Altstadt, von den Elbterrassen bis zum Zwinger. Ebenso wie zum Bautzener Superintendenten Werner Waltsgott bestehen auch zu Manfred Bauer langjährige persönliche Beziehungen der Familie der Liederkranz-Vorsitzenden Maria Bedau. In der Katholischen Hofkirche überbrachten die Chorsänger mit dem Ave Maria des früheren Ochsenhausener Abts Aemilian Rosengart einen ganz besonderen musikalischen Gruß aus ihrer Heimat.

Abends erreichten die Liederkranz-Mitglieder dann ihr eigentliches Ziel, das Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz bei Bautzen. In der wunderbaren Atmosphäre des ehemaligen Rittergutes, das heute ein katholisches Tagungshaus des Bistums Dresden-Meißen beherbergt, bezog der Chor für die nächsten zwei Tage Quartier. Nach einer Probeneinheit am Samstagvormittag gab es Gelegenheit zu einem ausführlichen Stadtbummel durch Bautzen – inklusive Möglichkeit zum Einkauf von Bautzener Senf und anderer regionaler Spezialitäten. Auch hier vermittelte eine Führung durch die Altstadt viel Wissenswertes und Interessantes über die ältere und jüngere Vergangenheit der Oberlausitzer Stadt, von der Wasserbaukunst des 16. Jahrhunderts und der Architektur der barocken Bürgerhäuser über die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg, ihren Verfall zu Zeiten der DDR bis hin zur städtebaulich vorbildlichen Sanierung der letzten Jahre. Geprägt wurde Bautzen jahrhundertelang nicht zuletzt von der Kultur seiner sorbischen Bewohner, über deren Geschichte die Chormitglieder bei einem sorbischen Abendessen im Restaurant Wjelbik mehr erfuhren.

Der Sonntag begann wiederum mit einer Chorprobe im Bischof-Benno-Haus, von wo aus die Sängerinnen und Sänger anschließend zur Domkirche St. Petri in Bautzen aufbrachen. Dort übernahm der Liederkranz unter der Leitung von Walter Gropper als Höhepunkt der Reise die musikalische Gestaltung des evangelischen Gottesdienstes mit Stücken von Aemilian Rosengart, August Eduard Grell, Luigi Cherubini und Carl Loewe. Die Besonderheiten der Simultankirche, die seit der Reformationszeit von evangelischen und katholischen Christen gleichermaßen, wenn auch in strikt voneinander getrennten Bereichen, genutzt wird, vermittelte nach dem Gottesdienst Superintendent Werner Waltsgott bei einer Führung durch den Dom.

Am Nachmittag ging es dann um eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Bautzens: Bei einer Führung durch das ehemalige Stasi-Gefängnis Bautzen II, das der Stadt zu trauriger Berühmtheit verholfen hat, ließen die Chormitglieder die bedrückende Atmosphäre der Gefängniszel-len auf sich wirken und hörten von den Einzelschicksalen vieler politischer Häftlinge, die hier zu DDR-Zeiten Jahre ihres Lebens verbrachten oder auch ihr Leben ließen. Der Wert von Freiheit und Gerechtigkeit wurde hier, kurz vor dem Tag der deutschen Einheit, auf eindringliche Weise deutlich gemacht, auch mit den ermutigenden Geschichten von Gefangenen, die trotz aller Demütigungen ihre Würde behielten und – zum Beispiel in Form von hinausgeschmuggelten, selbst verfassten Texten – Zeichen gegen die Willkürherrschaft ihrer Wärter setzten.

Nach einem letzten gemeinsamen Abend im Bischof-Benno-Haus trat der Liederkranz am 3. Oktober die Heimreise an, mit Halt in Bayreuth, wo zur Mittagszeit eine Rast im legendären fränkischen Wirtshaus Oskar auf dem Programm stand. Wieder in Ochsenhausen angekommen, waren sich die Sängerinnen und Sänger einig, dass die im Süden Baden-Württembergs doch eher unbekannte Oberlausitz ein höchst interessantes und schönes Reiseziel ist.