„Eher Unbekanntes zu entdecken macht mir Spaß“
Donnerstag, den 17. Oktober 2013

Schwäbische Zeitung

Dirigent Walter Gropper erläutert das Verdi-Projekt des Gesangvereins Liederkranz Ochsenhausen.

Ein Jahr Kirchenkonzert, das andere ein Klassikkonzert: Knapp ein Jahr läuft die Vorbereitung für das Verdi-Konzert des Ochsenhauser Gesangvereins Liederkranz. Im Gespräch mit SZ-Redakteur Michael Hänssle erläutert Dirigent Walter Gropper das Projekt.

Herr Gropper, in ihrer Konzertankündigung heben sie hervor, dass vor allem Werke des jungen Verdi aufgeführt werden. Worin liegt hier der Reiz?
Zunächst sind die Werke des jungen oder frühen Verdi weitgehend unbekannt und Unbekanntes in der Musik zu entdecken, machte mir immer schon Spaß. Diese Stücke sind nun keineswegs unreife oder schwache Kompositionen, sondern auch die Werke eines Meisters, dessen dritte Oper schon, der „Nabuco“, weltberühmt wurde. Darüber hinaus sind diese Kompositionen für einen Laienchor eher machbar als die großen Spätwerke.

Wie und wo findet man solche unbekannten Opern?
Von den Werken Verdis gibt es natürlich eine Gesamtausgabe. Früher hätte man dafür nach München oder Stuttgart fahren müssen, aber heutzutage sind alle Werke im Internet zugänglich. Natürlich ist es trotzdem viel Arbeit, alle oder viele dieser umfangreichen Werke im Netz durchzuforsten. Und schließlich braucht man auch ein Auge dafür, was gut, brauchbar und vor allem machbar ist. Ein Problem ist auch, dass alle Werke dort in der Originalsprache stehen.

Gibt es denn keine käuflichen, quasi schon zubereiteten und vor allem übersetzte Ausgaben?
Doch. Ein tüchtiger Verlag hat zum Jubiläumsjahr einen Chorband herausgebracht, den wir natürlich angeschafft haben, und daraus werden wir auch einige Titel singen. Aber alle Nummern daraus waren für uns nicht singbar oder haben mir einfach nicht so zugesagt.

Können Sie ein Beispiel einer solchen frühen Komposition nennen, aus der sie einen Chor singen?
Schon in der allerersten Oper Verdis, dem „Oberto“, findet sich ein wunderschöner Chor, wo am Hof von Bassano die Braut des Grafen musikalisch begrüßt wird. Es ist eine feine, zarte Musik, ganz anders als die eher dramatischen Chöre Verdis.

Wenn man einen Opernabend gestaltet, dann erwartet man doch auch Sängersolisten. Wen haben sie da engagiert?
Um Verdi-Arien singen zu können, muss man schon eine sehr gute Sängerin oder ein Sänger sein, wenn ich oder das Publikum zufrieden sein wollen. Solche Künstler sind schwer zu bekommen oder sehr teuer. Deshalb habe ich mich entschlossen, statt einer Sopranistin eine Klarinette zu nehmen, die der menschlichen Stimme sehr nahe kommt. Der aus Ochsenhausen stammende Michael Reich hat Klarinette studiert und wird die Partien sicher hervorragend meistern.

Und woher kommt das Orchester?
Hier gilt das Gleiche: Ein Opernorchester ist unbezahlbar und deswegen lassen wir uns vom Klavier begleiten. Auch Juliane Durach ist professionelle Musikerin und hat an diesem Abend natürlich im wahrsten Sinne des Wortes „alle Hände voll zu tun“.

Im Programm sind auch drei Sprecher genannt. Warum?
Der Abend soll nicht nur genuss-, sondern auch etwas lehrreich sein. So werden alle Werke von Maestro Verdi und seiner Frau Giuseppina „persönlich“ biographisch eingeführt, mit hoffentlich auch amüsanten Episoden. Ein weiterer Sprecher wird unsere Operntitel inhaltlich beschreiben, eben weil es viele unbekannte Werke sind und einige in der Originalsprache gesungen werden.

Foto: Michael Haenssle